Dating-App verkauft deine Standortdaten ohne Einwilligung
Eine populäre deutsche Dating-App hat genaue Handy-Standortdaten an Werbefirmen geschickt. Auch dann, wenn Nutzer nie zugestimmt haben. Die Datenschutzbehörde bestätigt jetzt: gravierende Verstöße.
Was passiert ist
Netzpolitik.org und der BR haben investigativ recherchiert. Sie fanden exakte Standortdaten von App-Nutzern im Angebot von Databrokern — frei verfügbar für jeden, der zahlt. Die zuständige Datenschutzbehörde hat die Vorwürfe geprüft und bestätigt: Die App hat gegen geltendes Recht verstoßen.
💡 Was das bedeutet
Wer diese App nutzt, hat unfreiwillig ein Bewegungsprofil erstellt. Jeder Besuch, jeder Ort, jede Uhrzeit — alles protokolliert und verkauft. Für Stalker, Erpresser oder feindliche Geheimdienste sind solche Daten Gold wert. Bei einer Dating-App sind die Folgen besonders heikel: Sexuelle Orientierung, Affären, heimliche Treffen — alles ableitbar.
Die Fakten
- Datentyp:** Präzise GPS-Standortdaten vom Smartphone
- Empfänger:** Werbefirmen und Databroker
- Einwilligung:** Nicht vorhanden — Daten flossen trotzdem
- Aufdeckung:** Investigativ-Recherche von Netzpolitik.org und BR
- Ergebnis:** Datenschutzbehörde bestätigt gravierende Verstöße
Pro (für die Werbebranche)
- Zielgenaue Werbung dank Echtzeit-Standort
- Lukratives Geschäftsmodell mit Nutzerdaten
Con (für alle anderen)
- Massiver Rechtsbruch ohne Konsequenzen bisher
- Nutzer komplett ahnungslos
- Bewegungsprofile ermöglichen Stalking und Erpressung
- Besonders sensibel: Dating-Kontext verrät Intimstes
Kein Einzelfall
Der Handel mit Standortdaten ist ein Milliardenmarkt. Databroker kaufen, bündeln, verkaufen — und fragen nicht nach Einwilligung. Die DSGVO verbietet das eindeutig. Aber Kontrolle? Findet kaum statt. Dass es diesmal aufflog, ist investigativem Journalismus zu verdanken, nicht den Behörden.