KI schreibt Code um — Lizenz bleibt auf der Strecke
Ein Python-Entwickler hat die beliebte Open-Source-Library „chardet" neu schreiben lassen. Von einer KI. Das Ergebnis: funktional identisch, aber mit anderer Lizenz. Die Open-Source-Community tobt.
Das Prinzip ist alt: „Clean Room Reverse Engineering" — man baut Software nach, ohne den Originalcode zu kopieren. Bisher saßen da Menschen in getrennten Räumen. Jetzt macht das eine KI in Sekunden. Der Haken: Wenn ein AI-Coding-Tool den Code einer GPL-lizenzierten Library „umschreibt", ist das Ergebnis dann noch GPL-pflichtig? Oder ist es ein neues Werk? Juristen sind sich uneins.
Praktisch heißt das: Jeder kann mit Claude oder GPT eine Open-Source-Library nehmen, sie „umschreiben" lassen und unter permissiver Lizenz veröffentlichen. Die Funktionalität bleibt. Die Copyleft-Pflicht verschwindet. Für Unternehmen ein Traum. Für Open-Source-Maintainer ein Albtraum.
Das Problem geht tiefer als Lizenzen. Wenn KI-Tools auf Open-Source-Code trainiert wurden, steckt der Originalcode implizit im Output. Ein „Clean Room" ist das nicht mehr — eher ein Raum mit Glaswänden. Die bisherige Rechtsprechung zu Reverse Engineering passt nicht auf KI-generierte Rewrites. Und neue Gesetze? Fehlanzeige.